Eine fleckige Tagebuchseite in zittriger Kursivschrift
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Mein Herr: Seite - Eine fleckige Tagebuchseite in zittriger Kursivschrift - in der New World Guide Datenbank of Lore
Ich hatte verstörende Träume. Ich rannte, endlos, atemlos, durch einen unendlichen Dornenwald, verfolgt von Dutzenden Bestien mit dämonischen Wolfs- und Ziegenköpfen. Und obwohl Dornen mein Fleisch durchbohrten, lief ich weiter, bis ich schließlich bewegungslos verharrte. Ich schaute nach unten und sah, dass ich meine Füße zu blutigen Stümpfen gelaufen hatte. Da war nur schartiger Knochen, wo sie einst gewesen waren. Ich wollte schreien, doch besaß ich keine Stimme mehr. Ich trat vor einen versilberten Spiegel, um meinen Hals zu betrachten, und als ich hineinblickte, starrte mir das blinde Antlitz von Segelmeister John entgegen.
"Du bist wieder zu dir gekommen." Seine Stimme klang zugleich rührend und tröstend vertraut. Er verkörperte einen wahren Lord, ebenso feinfühlig wie stark, mit einer Aura der Führungsstärke, der niemand widerstehen konnte. Sein Haar war in kunstvollen Schleifen zurückgebunden und ein akkurates Band rundete alles zu einer eleganten Gesamterscheinung ab. Er war mir auf natürliche Weise in jeder Hinsicht überlegen, das verstand ich auf einer körperlichen Ebene. Er war unerreichbar. Und daher unwiderstehlich. Ich sehnte mich nach seinem Geruch. Er roch nach exotischem, moschusartigem Weihrauch, der in alten Tempeln verbrannt wurde. Ich sehnte mich nach seiner kühlen, sanften Berührung, die er von meinem Gesicht zurückzog. Aber vor allem sehnte ich mich nach seiner Aufmerksamkeit. Ich wollte, brauchte all das, wie ich die Luft zum Atmen brauchte.
"Dein Bruder ist in Sicherheit", sagte er. Nach einem langen Moment, in dem ich in seine haselnussbraunen Augen starrte, erinnerte ich mich, dass ich einen Bruder hatte. Ja, da war ich mir ganz sicher. Ein Name besuchte meinen Geist, ungebeten, verschwand jedoch genauso schnell, neckend, stets unerreichbar, genau wie mein Herr. Verlegenheit durchfuhr mich und wuchs zu einem Gebräu aus Gereiztheit an. Ich war nicht erbost, den Namen meines Bruders vergessen zu haben. Vielmehr war ich wütend, dass mein Bruder selbst den kleinsten Funken der Aufmerksamkeit meines Herrn beansprucht hatte. Sorgte sich mein Herr um meinen Bruder? Liebte er ihn? Ich hasste meinen Bruder in seiner bodenlosen Selbstsucht. Wie kann er es wagen, mir die Aufmerksamkeit zu stehlen, die ich zum Leben brauchte.
Nach einer Möglichkeit suchend, die Aufmerksamkeit meines Herrn zu erlangen, stammelte ich das Einzige, woran ich denken konnte: "Wo bin ich? Du hast mich geheilt." In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich völlig unbekleidet in einem prächtigen Bett lag, das zweifellos in einem riesiges Schloss stehen musste.
